Filmprojekt #willkommen

Tausende junge Geflüchtete mit bayrischem Schulabschluss dürfen trotz Lehrstellenüberschuss und Fachkräftemangel in Bayern keine Berufsausbildung beginnen. Der Film #willkommen ist zusammen mit einigen Geflüchteten entstanden und poträtiert ihre zwiespältige Lage – zwischen eigener Ohnmacht und fremden Erwartungen.

Auf den Punk

Tausende junge Geflüchtete in Bayern (insbes. aus Afghanistan) dürfen trotz Lehrstellenüberschuss und Fachkräftemangel keine duale Berufsausbildung beginnen. Sie haben sich in den letzten Jahren in Bayern integriert und erfolgreich den Mittelschulabschluss erworben. Doch jetzt heißt es: Abschiebung statt Ausbildung. Und wer nicht abgeschoben werden kann, ist zum Nichtstun verdammt. Außer wir helfen diesen Menschen bei der Klärung ihrer Identität. Nähere Informationen zum Thema Abschiebungen nach Afghanistan finden Sie hier. Informationen zum pädagogischen Gebrauch des Films „#willkommen“ finden Sie hier.

Das Problem

Tausende junge Geflüchtete in Bayern (insbes. aus Afghanistan) wollen dieses Jahr eine duale Berufsausbildung beginnen. Dafür brauchen sie die Genehmigung der Ausländerbehörden, die sich an Weisungen des bayrischen Innenministeriums orientieren. Würden sie in einem anderen Bundesland wohnen, wäre es problemlos möglich eine Ausbildung aufzunehmen. Da aber das bayrische Innenministerium verhindern will, dass diese jungen Menschen langfristig in Deutschland bleiben, werden viele Gründe dafür gefunden, ihnen die Ausbildung nicht zu genehmigen. Denn seit dem „Integrationsgesetz“ 2016 gibt es die Möglichkeit, dass sie – unter bestimmten Voraussetzungen (bspw. geklärte Identität, keine schweren Straftaten) – selbst bei ablehnendem Asylbescheid für die Dauer der Ausbildung in Deutschland geduldet werden. Der bei Ablehnungen von Arbeitserlaubnissen am häufigsten genannte Grund ist – neben der Verstetigung des Aufenthalts – die nicht ausreichend geklärte Identität.

Was heißt das?

Das heißt, dass verständlicherweise jede*r über Dokumente wie etwa Reisepass oder Personalausweis nachweisen können sollte, wer er tatsächlich ist. Das ist grundsätzlich vernünftig, führt aber zu folgenden Problemen: viele Menschen haben bei ihrer Ankunft in Deutschland keine Originaldokumente dabei, sondern lediglich Kopien oder überhaupt keine Dokumente (etwa weil sie aufgrund ihres jungen Alters noch nie einen Reisepass besessen haben). Um sich Dokumente zu besorgen, können/müssen diese Menschen sich an ihre Verwandten im Heimatland (und/oder die Botschaft ihres Landes) wenden. Ist kein Kontakt mehr zu Verwandten da oder haben diese keine Möglichkeit Dokumente zu besorgen, dann hat man Pech gehabt. Afghanen die keine Kopie eines Personalausweises eines Verwandten väterlicherseits oder eine Registernummer der Familie haben, haben (zumindest in Oberfranken) aktuell keine Chance eine duale Berufsausbildung zu beginnen. Dabei ist egal wie sehr sie sich bemüht haben an Dokumente zu kommen. Was zählt ist ihre nicht ausreichend geklärte Identität.

Für anerkannte Flüchtlinge ohne geklärte Identität ist die Aufnahme der Berufsausbildung übrigens kein Problem. Wenn aber Dokumente von Verwandten da sind und man von der Botschaft des Herkunftslandes keine Verfolgung zu befürchten hat, dann könnte man über die Botschaft einen Personalausweis oder einen Reisepass beantragen. Dafür braucht man allerdings Zeit und Geld. Zeit und Geld, das viele der Betroffenen nicht haben. Zeit, weil die bayrische Staatsregierung (wieder als einzige Regierung eines Bundeslandes) aktuell versucht möglichst viele abgelehnte Asylbewerber aus Afghanistan als sog. „hartnäckige Identitätsverweigerer“ abzuschieben. Dazu gehören leider auch Menschen, die sich keine Dokumente besorgen konnten, weil sie die Kosten nicht tragen konnten.

Welche Kosten?

m Fall von Afghanistan kostet es mindestens einige hundert Euro eine von Innen- und Außenministerium beglaubigte „Tazkira“ (Personalausweis) zu besorgen, mit der man anschließend wieder für über hundert Euro einen Pass bei der Botschaft beantragen kann. Um das zu finanzieren, braucht man Bekannte/Familie/Verwandte die einem das Geld leihen oder man versucht es sich zu ersparen. Hat man keine Unterstützung und ist auf das Sparen angewiesen, weil man keine Arbeitserlaubnis bekommen hat, um sich das nötige Geld zu verdienen, dann dauert es Monate (wenn nicht Jahre) um das Geld zahlen zu können. Da Zeit aber sowohl für den Beginn der Ausbildung als auch für die Aussetzung der Abschiebung ein entscheidender Faktor ist, haben die meisten Betroffenen keine.

Was können wir tun?

Wir wollen diesen Menschen mit ein wenig Geld eine Chance geben in Deutschland eine Ausbildung zu beginnen und verhindern, dass sie unverschuldet nach Jahren in Deutschland in ein Kriegs- und Krisengebiet abgeschoben werden.

Wie heißt das konkret?

Ein Beispiel: Ahmad, ein Afghane der wie viele Afghanen aus dem Iran nach Deutschland kam, lebt seit drei Jahren in Bayern. Er hat seinen Quali und eine Altenpflegehelfer-Ausbildung als einer der Klassenbesten (auch im Vergleich mit den deutschen Mitschülern) bestanden. Jetzt darf er keine Altenpflege-Ausbildung beginnen, obwohl er 5 Ausbildungsverträge vorweisen kann und dringend Pfleger gesucht werden. Warum? Weil die Ausländerbehörde sagt, er habe seine Identität nicht ausreichend geklärt. Fragt man ihn, ob er sich schon darum bemüht habe, sagt er sinngemäß: Ich habe alles getan, was in meiner Macht steht. Aber für den nächsten Schritt, die Beauftragung eines Anwaltes/Dienstleisters in Afghanistan, der mir meine Dokumente besorgt, brauche ich mindestens einige Hundert Euro, die ich nicht habe und erst in einigen Monaten oder einem Jahr sparen könnte.“ In dieser Zeit droht Ahmad in Bayern allerdings die Abschiebung. Da kommt unsere kleine Spendenaktion ins Spiel. Wir wollen Menschen wie Ahmad helfen, dass sie schneller an der Klärung ihrer Identität mitwirken können, sodass sie eine Ausbildung beginnen dürfen statt abgeschoben zu werden. Dafür brauchen wir eure Unterstützung.

Ihr seid herzlich dazu eingeladen, das Projekt finanziell zu unterstützen. Wenn ihr weitere Informationen zu diesem Thema braucht und/oder ihr euch regelmäßig über Neuigkeiten im Bereich Flucht & Asyl (insbes. aus Oberfranken) freut, könnt ihr euch durch eine Mail an es.sind.wir(at)googlemail.com in den Newsletter eintragen lassen. Regelmäßige Treffen finden im Rahmen der Bamberger Mahnwache Asyl jeden Montag um 18 Uhr am Gabelmo (Grüner Markt in Bamberg) statt.

Was hat das Ganze mit dem Film #willkommen zu tun?

Der Film ist u.a. durch die Arbeit und Energie einiger junger Menschen entstanden, die genau dieses Problem haben. Sie müssen tagtäglich bangen, ob sie Geld finden werden und ihre Dokumente rechtzeitig kommen. Manche haben diesen Druck nicht ausgehalten oder waren frustriert, weil sie keine Chance sahen an Papiere zu kommen und sind deswegen aus Deutschland geflohen. Wir wollen weitere Tragödien durch diesen kleinen Beitrag versuchen zu verhindern.

Links

Kampagne “not safe”:
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